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Wie kann Riesen-Bärenklau eingedämmt werden?

Riesen-Bärenklau kann zu schmerzhafter Blasenbildung auf der Haut führen und die Effektivität wichtiger Landflächen wie Flussufer reduzieren.

Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist mehr als eine invasive Pflanzenart. Es handelt sich um eine echte Gefahr für die Gesundheit und erfordert eine besonders aggressive Herangehensweise, um die Verbreitung zu verhindern. Eine steigende Zahl an Parks, öffentlichen Plätzen und Naturschutzgebiete in Großbritannien melden das Vorkommen von Riesen-Bärenklau, das eine Reihe von Problemen wie schwerwiegende Blasenbildung auf der Haut bis hin zur Zerstörung lokaler Pflanzenarten und die Schwächung von Flussufern verursachen kann.

David Thorpe ist Spezialist für Biodiversität bei Natural Resources Wales und hat mit dem Befall am Fluss Soch in Wales gearbeitet. Im ländlichen Raum des nördlichen Wales gelegen, ist der Sorch beliebt bei Anglern und Wanderern und befindet sich einige Meilen von dem Dorf Abersoch im Osten und nur anderthalb Meilen vom Strand bei Porth Neigwl entfernt. Die Region verzeichnet jährlich tausende Besucher, von Urlaubern bis hin zu Surfern, was das Vorkommen des Riesen-Bärenklau zu einem schwerwiegenden Problem für die lokalen Behörden, Anwohner und Besucher macht.

Der Schutz des Afon Soch

David, der von einer Standard- und Prüfungsorganisation für Herbizide, Dünger und verwandte Bereiche mit Namen BASIS ausgebildet wurde, hat bei der Wahl der Bekämpfungsmethode gegen die Invasion des Riesen-Bärenklaus beratend beigestanden. Es wird erwartet, dass der kontinuierliche Einsatz von Glyphosat sowohl als Spray als auch als Injektionen in den Stamm dem Fluss Soch eine dringend notwendige Pause verschafft. „Wir führen aktuell einen dreijährigen Behandlungsplan für den Soch durch,“ sagt David. „Wir sind aber nicht sicher, ob dieser ausreichend ist. Riesen-Bärenklau produziert recht große Samen, die länger als drei Jahre überleben können. Wir hoffen, dass die Anzahl der Pflanzen nach drei Jahren soweit zurückgegangen ist, dass die weitere Behandlung nicht so intensiv fortgeführt werden muss. Wir müssen dann hoffentlich nur noch entlang des Flussufers auf und ab laufen und einzelne Pflanzen jedes zweite Jahr besprühen.“

David ist leidenschaftlich bei der Arbeit und versucht die lokale Landschaft für zukünftige Generationen zu bewahren. „Seit dem Jahr 2000 beschäftige ich mich mit der Kontrolle und Handhabung invasiver Arten und bin qualifizierter Berater bei Anwendung von Herbiziden gegen invasive Arten wie den Riesen-Bärenklau und den Japanischen Staudenknöterich. Ich bin auch Vorstandsmitglied der ,Wales Invasive Species Group‘. Riesen-Bärenklau kommt in Nordwales nur begrenzt vor, obwohl es entlang des Flusses Dee recht gewöhnlich ist und in Chester ein größerer Befall zu verzeichnen ist. Da eine Reihe an Flussufern betroffen sind, könnte der Befall gravierend werden, da andere Pflanzen überschattet werden und dadurch in den Wintermonaten geschwächte Bereiche entstehen. Das ,Dee Invasive Non-Native Species Project‘ hat in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, Natural Resources Wales und der Umweltbehörde in England die Kontrolle einzelner Standorte zum Ziel. Wegen der möglichen Gefahr für Menschen sowie die mögliche Beschädigung der Flussbefestigungen ist der Riesen-Bärenklau für uns ein Anlass zu großer Sorge.“

 

Die Eindämmung des Riesen-Bärenklau

Das Programm zur Eindämmung am Fluss Soch wurde nach Bedenken hinsichtlich der Ausbreitung der Pflanze eingeführt. Menschen litten unter schmerzhafter Blasenbildung auf der Haut, nachdem sie beim Beschneiden der Pflanzen unabsichtlich mit ihr in Berührung kamen. „Es gab einige Fälle beim Personal, dass für die Uferpflege am Fluss Dee verantwortlich ist, während sie das Ufer gesäubert haben. Die Pflanze hatte sich angesiedelt, ohne dass wir uns dessen bewusst waren. Sie litten aufgrund des Pflanzensaftes an schlimmer Blasenbildung an Händen und Armen.“

Riesen-Bärenklau kann bis zu drei Meter  hoch werden und ist ein enger Verwandter des Gemeinen Bärenklaus oder Herkuleskraut (heracleum sphondylium). Der Unterschied lässt sich bei jungen Pflanzen nur schwer feststellen. Riesen-Bärenklau ist keine in Großbritannien heimische Art und wurde wahrscheinlich von viktorianischen Gärtnern aus Osteuropa aufgrund seiner exotischen Natur und beeindruckenden Höhe mitgebracht.*

Leider ist der Riesen-Bärenklau schwerer zu kontrollieren, da es sich um eine invasive Pflanzenart handelt. „Entscheidend ist, dass die Pflanze in einem Umfeld wächst, in dem sie nicht heimisch ist. Wir verfügen also nicht über die Pilze, Pathogene, Blattläuse und andere Insekten, die ihre Verbreitung eindämmen. Dies bedeutet, dass sie der einheimischen Flora, die auf natürlichem Wege kontrolliert wird, entwachsen kann.“

Ausrotten oder reduzieren

David erkannte die Tatsache, dass Glyphosat eine der wenigen Möglichkeiten im Kampf gegen die aggressive Pflanze war. „Glyphosat ist tatsächlich das einzige vernünftige Hilfsmittel, dass wir gegen den Riesen-Bärenklau einsetzen können. Wir könnten die Pflanzen jedes Jahr zurück schneiden, sie wächst jedoch immer wieder aus den Wurzeln nach, weshalb wir sie schon an den Wurzeln bekämpfen müssen.“

Dies ist eine Alternative, aber die Kosten und die notwendige Arbeitskraft würden die Behandlung schwierig und, möglicherweise, gefährlich gestalten. „Wir haben versucht die Wurzeln im Frühling mit einer Schaufel zu beschädigen, aber dies lässt noch lebensfähige Wurzeln im Boden, die erneut sprießen können. Diese Methode schwächt die Pflanze, tötet sie aber nicht. Da Glyphosat systemisch wirkt, bekämpft es nicht nur die Blätter sondern auch die Wurzel. Die Injektion in den Stamm trägt dazu bei, dass weniger Chemikalien auf gezieltere Weise verwendet werden und verfügt über das Potenzial, einen lebensfähigen Samen davon abzuhalten, sich weiter zu verbreiten. Unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit und des Arbeitsaufwands, ist Glyphosat die weitaus bessere Lösung. Es kann schneller angewendet und ohne die Notwendigkeit eines direkten Kontakts mit dem Saft, der zur Blasenbildung geführt hat, angewendet werden.“

Unbehandelt könnte sich der Riesen-Bärenklau auch auf das nahe gelegene Dorf Abersoch ausbreiten. „Ohne Eingreifen breitet sich die Pflanze weiter aus und kann nicht mehr eingedämmt werden. Obwohl der Riesen-Bärenklau sich jährlich über 10 bis 20 Meter ausbreitet, fungiert Wasser als natürliche Verbreitungshilfe und kann die Geschwindigkeit der Ausbreitung erhöhen. Das nächstgelegene Dorf Abersoch befindet sich am unteren Ende des Flusses Soch und wäre letztlich zusammen mit ansässigen Schulen, Wegerechten und Feldern betroffen. Je näher der Riesen-Bärenklau Abersoch kommt, desto mehr Aspekte des alltäglichen Lebens sind betroffen.“

 

Ein positives Ergebnis

Trotzdem hat David die Hoffnung, dass die Behandlung mit Glyphosat zu soliden Ergebnissen führt. „Ich erwarte grob geschätzt einen Rückgang des Riesen-Bärenklau um 80 %. Neue Jungpflanzen sollten in drei Jahren sichtbar und all die älteren Pflanzen verschwunden sein. Ich glaube nicht, dass wir die Pflanzen umgehend vollständig ausrotten können, da der Riesen-Bärenklau zwei bis drei Jahre bis zur Blüte benötigt. Eine vollständige Bekämpfung kann also bis zu 10 Jahre dauern.“

Das Pflanzenwachstum wird mithilfe einer jährlichen Untersuchung überwacht, sodass die gewünschten Ziele nach drei Jahren genau bewertet werden können. Durch diese sorgfältige Überwachung und durch den zielgerichteten Einsatz von Glyphosat kann an den Ufern des Fluss Soch eine deutliche Reduzierung des Riesen-Bärenklau erreicht werden.

*https://www.rhs.org.uk/advice/profile?PID=458




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